Im Spannungsfeld zwischen der Heiligen und der Hure

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22. Juli 2016: Heute ist ein großer Tag für die Weiblichkeit:

Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte wird Maria Magdalena offiziell in ihrer Rolle als Apostelin der Apostel gefeiert. Zuvor gab es nur einen Gedenktag.

Nicht, dass wir Frauen die Erlaubnis der Kirche bräuchten…weder um Maria Magdalena als weibliche spirituelle Führungskraft und Meisterin zu verehren, noch dafür, uns selbst in unserer göttlichen Weiblichkeit –als Ausdruck des Geistes in einem weiblichen Körper- zu feiern.

Und doch ist ein großes Aufatmen in spirituellen Frauenkreisen zu spüren.

Tränen der Erlösung fließen, Spannungen befreien sich…und ein inneres Leuchten wird sichtbar. Es scheint, dass mit Maria Magdalenas Rehabilitierung – die zwar schon in den Fünfzigern geschah, nur von kaum jemandem wahrgenommen wurde- und besonders jetzt mit der offiziellen Anerkennung ihres Apostelinnenstatus, eine Rehabilitierung und Anerkennung des Weiblichen an sich stattfindet. Und zwar im Herzen, im Zentrum unseres christlichen Glaubenssystems. Das ist sehr bedeutsam und stellt meines Erachtens eine große Wendungsbewegung dar, deren Ausmaß viel weitreichender sein wird als wir in diesem Moment erahnen können.

Lange haben wir Frauen unbewusst unter diesem Spannungsfeld gelitten, dass die Kirchenväter für uns kreiert hatten,

indem sie die bedeutendste Frau, den bedeutendsten Menschen in Jesu Gefolgschaft, die engste Vertraute und Verbündete, seine gelehrigste und verständigste Schülerin, diejenige, die die bis zum Tod und darüber hinaus an seiner Seite war, diejenige, die Zeugin seiner Auferstehung war, in den extremsten Gegenpol verbannt hat, in die Rolle der reuigen Sünderin…

Und darauf wurde Maria Magdalena in den vergangenen Jahrtausenden reduziert. Sie wurde klein gemacht und ihr wurde eine völlig fremde  Identität angehängt, die ihre einflussreiche Stellung untergraben sollte. Als eines der wenigen weiblichen Rollenmodelle, die wir Frauen in der Bibel finden, kannst du dir vorstellen, was dies mit dem weiblichen Selbstverständnis gemacht hat…

Maria Magdalena aber hat geduldig und standhaft –für uns alle- ausgeharrt unter all den Staubschichten der Diffamierung, Verletzung und Leugnung der weiblichen Kraft.

Heute an diesem bedeutsamen Tag, dem 22. Juli 2016 spricht sie ganz deutlich zu uns Frauen.

Sie ermuntert und  bekräftigt uns, uns in den Dienst zu stellen und unsere Rollen als weibliche  spirituelle Führerinnen, Lehrerinnen und Meisterinnen einzunehmen.

Sie ist zurück –und doch war sie nie weg.

Lasst uns feiern, Schwestern. Heute und an allen Tagen.

 

~ Claudia@womanessence

Bild: Splitshire

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