Es gibt wahrscheinlich nichts, was du mehr fürchtest als das….

SplitShire-3037

Du brauchst dich nicht vor der Begegnung mit Kali zu fürchten, Schwester.

Sie ist sowieso immer hier, gar nicht so sehr tief unter der Oberfläche…

Sie wandert rastlos in deinen muffigen Kellerräumen umher und stöbert auf dem staubigen Dachboden deiner Vergangenheit herum. Hier ist ihr Refugium. Hier wacht sie geduldig in ihrer Bereitschaft, dir zu begegnen.

Du betrittst diese Räume nicht gerne freiwillig. Aber die Umstände des Lebens verlangen es ab und an von dir, diese trostlosen und beängstigenden Orte aufzusuchen.

Dann stehst du da. Ganz allein. Du riechst den modrigen Geruch der Angst.

Du glaubst, am Staub deiner alten Geschichten zu ersticken, während die Stimmen aus der Vergangenheit dir ihre Furcht einflößenden Drohungen ins Ohr flüstern.

Und immer wieder glaubst du diesen Stimmen. Du glaubst, du wärst nicht richtig, zu viel, zu wenig, zu anders….und weil du ihnen glaubst, kämpfst du mit ihnen, gehst in den Widerstand.

Deine Qual wird noch größer, weil du deine Ohnmacht fühlst. Dein Ausgeliefertsein. Du diskutierst mit diesen inneren Dämonen und erkennst nicht, dass du den Kampf von Anfang an schon verloren hast.

Denn indem du mit ihnen kämpfst, bestätigst du ihre Existenz  und auch die Geschichten, die sie dir erzählen. Du hauchst ihnen deinen Lebensatem ein…und deine Kraft schwindet.

*

Kali schaut dir in aller Gelassenheit bei diesem Treiben zu.

Sie ist die Göttin des Scheiterns, des Zusammenbruchs, des Verlustes, der Verzweiflung. Sie ist die Göttin des Todes….Sie hat schon so viel Schreckliches gesehen in dieser Welt.

Wir aber wollen diese Erfahrungen vermeiden. Man hat uns beigebracht, so zu tun, als gäbe es diese Zustände nicht.

Versagen…. Schwäche…..Trauer…Krankheit…. Altwerden…. Tod…all das machen wir mit uns selber aus. Verkriechen uns ins Kämmerlein und schämen uns für unseren Zustand und unsere Gefühle. Wir fühlen uns schrecklich verlassen.

Kali aber ist immer hier und hält den Raum für all dies.

*

Manchmal tanzt sie wild auf all unseren lächerlichen Konstrukten der scheinbaren Sicherheit und Vorhersehbarkeit. Sie lacht schallend über die Masken, die wir uns aufsetzen .

Sie fordert uns heraus und schüttelt uns, bis wir kapitulieren und uns  in die rohe Zerbrechlichkeit unseres Seins ergeben. ..in unsere Echtheit und Berührbarkeit.

Und es gibt wahrscheinlich nichts, was du mehr fürchtest als das.

Das ist viel zu gefährlich meinst du. Man wird mich töten. Man wird meine Verletzlichkeit ausnützen, mich bloß stellen, mich auslachen, mich nicht mehr ernst nehmen. Sie werden meine Seele plündern, mich kontrollieren und manipulieren.

OK……..

Und was, wenn diese Berührbarkeit eine Tür wäre?

Was wäre, wenn diese Berührbarkeit dich erst wach machen würde für das, was um dich herum geschieht? Und du fest stellen würdest, dass der scheinbare Abgrund, der Zusammenbruch schon lauert, während du in der Illusion der Kontrolle und Sicherheit lebst, dass du alles im Griff hast. Die Rüstung gut verschweißt, eingesperrt in das enge Gefängnis dessen, was man dir beigebracht hat?

Es gibt keinen Grund, das Dunkel und die Abgründe zu ignorieren. All das gehört ebenso zum Lebensprozess. Hier im Dunkel kannst du in deine tiefste Quelle eintauchen, Hier wirst du gereinigt und erneuert.

Erst wenn du auseinanderfällst, entdeckst du, was dich wirklich hält.

Kali will uns nicht zerstören. Was sie zerstört, ist allein die Illusion des Getrenntseins und des Kampfes. Wann begreifst du, dass du frei bist, Schwester?

Frei, das Spiel zu spielen -oder auch nicht.

~ Claudia@womanessence

Bild: Splitshire

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4 Gedanken zu “Es gibt wahrscheinlich nichts, was du mehr fürchtest als das….

  1. Ich habe deinen Beitrag sehr genossen, aber ich denke nicht, dass man auf irgendeine Art und Weise die Erfahrungen des Zusammenbruchs, des Verlustes, der Verzweiflung nicht machen könnte. jeder wird das tun. Und um ehrlich zu sein,w enn man sie nicht macht, dann fehlt doch auch was im Leben oder nicht? Was meinst du? Danke und lg Sabsie

    1. Liebe Sabsie, schön, dass dir mein Text gefallen hat. Und ja, natürlich macht jeder diese Erfahrungen,
      Aber wir neigen dazu, uns den unangenehmen Zuständen und Gefühlen zu widersetzen. Das erschafft Anspannung und Enge und blockiert die Lebenskraft, wo sie eigentlich als Gefühl ganz frei fließen könnte. Und wie oft verharren Menschen in der Opferhaltung, wenn ihnen Kali begegnet. Sie projezieren nach außen und suchen Schuldige anstatt ganz still den Kelch mit dem bitteren Trank zu sich zu nehmen. Und auf diese Art mitfühlender und gleichzeitig weiser zu werden. Darum ging es mir in diesem Text. Um Hingabeund Mitgefühl . Um Freiheit durch Akzeptanz des Lebens ganz genau so wie es gerade ist. Alles Liebe ~ Claudia@womanessence

  2. Hallo Claudia. Ein wirklich sehr schöner Beitrag zu einem (ewig) spannenden Thema. Ich neige dazu mich durch Schokolade zu essen vor dem unangehnehmen zu drücken. Wenn man irgendwann mal einen Weg finden würde, dem zu entgehen oder auch nur ein Substitut, gleich welcher Art, finden würde, dann wäre das für mich das schönste Weihnachtsgeschenk! LG Adela

    1. Liebe Adela, ich glaube, da bist du nicht alleine….aber wenn du magst, schau dich doch ein bisschen auf meinem Blog um.
      Gerade unter der Rubrik „Gefühle“ wirst du viele Inspirationen und Übungen zum Thema „Wie gehe ich auf eine entspannte und fließende Art mit meinen Gefühlen um.“ finden…
      Alles Liebe
      Claudia

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