Der Knoten in deiner Brust

von Anna Köpnick

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Meine liebe Freundin,

heute hast du mir mitgeteilt, dass man einen 2 cm großen malignen Knoten in deiner Brust gefunden hat, Krebs. Die Diagnose ist erst ein paar Tage alt, und so stehen deine Verständnislosigkeit, deine Hilflosigkeit, deine Atemlosigkeit, die hoffnungslose Überforderung und die Todesangst noch stark zitternd im Raum.

Was kann ich dir in diesem Moment Hilfreiches sagen? Ich selber lebe seit 5 Jahren mit dieser Diagnose und bin auch noch gar nicht damit durch. Kann keine erfolgreiche Überwindung meines Brustkrebses vermelden. Selbst als Betroffene ist es schwer, für diesen Moment die passenden Worte zu finden. Die Himmel fallen runter, die Berge stürzen ein und die Erde tut sich auf.

Und doch: dieses angstvolle Geschehen lässt sich sortieren. Das kann ich dir aus Erfahrung sagen.

Wenn es sich auch unglaublich anhört, aber dieses Empfinden wird gespeist aus Gefühlen und Erinnerungen, die zum allergrößten Teil einfach nur von dem Diagnosewort „Krebs, maligne Knoten“ inspiriert sind und nur zum kleineren Teil etwas mit deiner persönlichen, konkreten Erkrankung zu tun haben.

Du sagst ja selber: „Ich verstehe nicht. Ich fühle mich so fit und stark, wie schon seit langem nicht mehr. Was ist da in meinem Körper?“ Ja, was ist da in deinem und in meinem Körper? Es ist das drin, was wir darin sehen. Wenn wir von so einer Mammographie oder gar einer Biopsie aus dem Krankenhaus zurückkommen, mit einem kleinen Loch in der Brust und einem dicken Verband drumherum, mit einem langen ärztlichen Diagnose-Bericht, der von diesem medizinischen Vokabular nur so strotzt, dann können wir nur das Gefährlichste und Bedrohlichste darin sehen, was uns bisher begegnet ist. Die Medizin kann uns nur „vielleicht“ und unter sehr schwierigen Umständen helfen. Und so stehen wir an unserem Abgrund.

Aber wir haben die Freiheit, auch etwas anderes darin zu sehen.

Anstatt die Sackgasse zum Abgrund zu sehen, können wir dieses Ereignis auch als einen Weg in neue unbekannte Räume ansehen. Die Freiheit haben wir. Und das bedeutet z.B. zu diesem Zeitpunkt ganz konkret, dass es auch mit dieser Erkrankung einen riesengroßen Handlungs- und Therapiespielraum gibt, der auch größer ist, als die Schulmedizin ihn dir zur Zeit anbieten kann. Und den du dir jetzt so am Anfang auch noch gar nicht vorstellen kannst.

Deshalb ist der erste Rat, den ich mir an dieser Stelle erlaube, dir zu geben:

Lass dir Zeit, nimm dir Zeit, bitte nehme dir so viel Zeit, wie dir irgend möglich ist, gib dir vor allen Dingen so viel Zeit, wie dir irgend möglich ist, bevor du dich in konkrete Therapien stürzt.

Es geschieht dir jetzt Umwälzendes, das nicht mit kurzfristigen Maßnahmen oder dem richtigen Gedankentraining zu bewältigen ist (habe ich alles so versucht).

Vielleicht kannst du es ja so sehen, liebe Freundin:

Es eröffnen sich für dich mit dieser Erschütterung völlig neue Räume, Räume, die du noch nicht kennst, die du aber jetzt beschreiten und erkunden kannst. Sie sind jetzt so grauenhaft schwarz und abstoßend wie ein stinkender Drache. Aber in Wirklichkeit, liebe Freundin, in Wirklichkeit sind es Spiel-Räume mit ganz neuen Möglichkeiten, die dir bis jetzt noch nicht bekannt sind. Und es sind Diamanten drin versteckt, die, wenn du sie einmal gefunden hast, für immer dein sind.

Du kannst mit dieser Diagnose spielen, spielerisch entdeckend damit umgehen. Du hast die Freiheit, es ist deine Freiheit, es ist deine Krankheit. Und darin sind deine Möglichkeiten versteckt.

Kein Arzt der Welt kann und wird die Verantwortung dafür übernehmen. Und wenn er dir in irgendeiner Art und Weise Druck macht, dann ist er nicht der richtige Arzt. (Das ist der zweite Ratschlag an dieser Stelle.) Und so sage ich dir jetzt:

Nimm deine ganze Angst, dein ganzes Entsetzen, deine ganze Erschütterung zu dir, ich und alle anderen Frauen, die dir verbunden sind, stehen bei dir und mit dir. Du bist nicht alleine damit. Und mache dich auf und bereit, eine große Reise, eine Entdeckungsreise zu dir selbst hin anzutreten. In der Angst ist deine Energie versteckt und sie wird sich dir Stück für Stück in lichte Energie verwandeln und dich führen. Übe dich in Vertrauen, in wirklichem Vertrauen in dich und deinen Körper. Diese Krebszellen werden als bösartig bezeichnet, weil sie den Tod bringen können. Sie sind aber Teil deines Körpers und werden dich lange begleiten, und sie können dir als Teil deines Körpers, als Teil deiner Lebendigkeit ein neues, vertieftes Verständnis von Leben bringen. Die Angst will genau in dieses Vertrauen hinein geführt werden…

Liebe Freundin, ich habe bewußt eine etwas märchenhafte Bildersprache benutzt.

Ich konfrontiere dich bewußt mit diesen Paradoxen, weil diese Erkrankung mehr Dimensionen hat, als nur die schul-medizinische. Und es geht ihr nicht nur um eine Richtung, um ein Ziel, das man entweder glücklich erreicht oder unglücklich sterbend verfehlt. Es geht dieser Erkrankung immer ums Ganze, ums Heil-Werden, ums Ganz-Werden. Wenn du dich diesem Abenteuer öffnen kannst, dann wird es leichter gehen und dir auch einige positive Überraschungen bringen.

Ich hoffe, ich konnte die richtigen Worte für dich finden. Ich wünsche dir, dass du dich von der Höheren Weisheit, die auch diesem katastrophalen Geschehen innewohnt, gehalten und geführt fühlst.

Deine Freundin

~ Anna Köpnick _/\_

Bild: Splitshire

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