Unser tiefer Mutterschmerz

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Mutter-Sein beinhaltet für uns Frauen bei aller Freude und Dankbarkeit auch ein fast überwältigendes uraltes Schmerzpotential, das sich heftig befreien kann, sobald es angekratzt wird.

Dieses Schmerzpotential liegt dicht unter der Oberfläche -sowohl unseres persönlichen Mutter-Seins als auch unseres  Tochter- Seins.

Die Aspekte oder Grundthemen des Mutter-Seins und Tochter-Seins sind dieselben und bedingen sich wechselseitig.

Es ist wie ein Netz durch Zeit und Raum…ein pulsierendes multifrequentes Informationsgeflecht  aus Geschichten, Gefühlen und körperlichen Symptomatiken.

Unsere Mütter, Großmütter und Urgroßmütter hatten weder die geistigen Werkzeuge noch die Bewusstheit, ihrem tiefen Mutterschmerz zu begegnen.

Aus diesem Grund haben sie unschuldigerweise immer neuen Schmerz dazu kreiert und  an die nachfolgenden Generationen weitergereicht.

Auch heute noch verlangt es uns großen Mut ab, dort hinzuschauen, hinzufühlen und dazubleiben, wenn uralter Schmerz, Trauer, Ängste, Wut und gleichzeitig Widerstände gegen all diese Gefühle in Bezug auf die Mutter oder das Mutter-Sein auftauchen.

Am liebsten würden wir dicht machen…und meistens tun wir das dann auch…immer noch!

Wir haben Angst, das, was hochkommt, nicht bewältigen zu können, durch unsere Wut Schaden anzurichten oder in eine tiefe Depression zu fallen, wenn wir uns diesen machtvollen Gefühlen stellen.

Dabei sind frei fließende Gefühle -jenseits der Bewertung von positiv und negativ- einfach ein quicklebendiger Ausdruck von Lebenskraft.

Aber weil wir nicht wissen, wie wir starke Gefühle händeln können, fürchten wir sie.

Wir flüchten lieber in Taubheit, weil wir das für sicherer halten, jedoch ohne uns überhaupt darüber bewusst zu sein.

Auch heute noch bewahren und nähren wir auf diese Weise alten Mutter-Schmerz und halten ihn somit am Leben: Das kleine Mädchen in uns hält fest an den alten Geschichten von Mangel, Lieblosigkeit und Enttäuschung.

Und ja: Das kleine Mädchen „verdient“ unser ganzes Mitgefühl, unseren Respekt und die Anerkennung des Leids, der Traumata und der Wunden.

Aber genauso „verdient“ es die Mutter. Denn sie sind eins.

Mitgefühl und Verständnis für das Leid unseres inneren kleinen Mädchens einzufordern fällt uns leicht. Das Leid des kleinen Mädchens in einer anderen Frau anzuerkennen, verlangt schon etwas mehr Bewusstheit und Mitgefühl.

Das Leid der eigenen Mutter zu würdigen, fällt jedoch schwer. Zu groß ist der eigene Schmerz. Doch schau genau hin! Es ist ein und derselbe Schmerz, Schwester!

Und er hat Generationen von Frauen in Selbstbeschneidung, Leid und Taubheit gefangen gehalten.

Es ist höchste Zeit, Bewusstheit in all den Schmerz zu bringen, ihn als Schlüssel zum Schmerz der Ahninnen zu sehen, ihm ins Angesicht zu schauen, unser Herz und unser ganzes Wesen dafür zu öffnen, ihn durchzufühlen und in warmer Präsenz zu halten, bis er sich entspannt. Immer wieder und immer wieder. Unermüdlich. Wie eine Mutter.

Und ganz genauso wie wir in achtsamer, mütterlicher Fürsorge ein kleines Kind halten und es trösten und streicheln, bis es einschläft, können wir auch den Gefühlen und Empfindungen, die Ausdruck unserer Wunden und Traumata sind, mit sanftem unerschöpflichem Mut begegnen und sie liebevoll besänftigen.

So können wir uns selbst und unseren Müttern Mutter sein. Auf dass alles, was in Schmerz und Leid gebunden war, befreit wird und uns als frei fließende Lebenskraft zur Verfügung steht, um das in die Welt zu gebären, was uns heilig und wichtig ist.

Auf dass unser Erbe einst Freude, Freiheit und Frieden sei.

~ Claudia@womanessence

Bild: Jake Thacker, Unsplash, CC0

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2 Gedanken zu “Unser tiefer Mutterschmerz

  1. Liebe Claudia,

     

    danke für diesen wundervollen Artikel…ja, möge Heilung geschehen zwischen Tochter und Mutter…Mutter und Mutter…usw.

     

    Hier ein Link zu einem spannenden Kongress zu diesem Thema: "Die freie Tochter"  :

     

    https://nwne.org/

     

    Ganz lieben Gruss an dich liebe Claudia

     

    von Herzen Yona Elisa

     

    Gesendet: Dienstag, 14. Mai 2019 um 17:35 Uhr Von: "Womanessence" <comment-reply@wordpress.com> An: yona_sophia@web.de Betreff: [New post] Unser tiefer Mutterschmerz

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