Zuerst ist da Erde.
Etwas Ursprüngliches.
Ungeformt.
Lebendig.
Der Lehm auf der Haut ist noch weich.
Durchlässig.
Noch ohne klare Grenze zwischen innen und außen.
Ein Zustand vor der Geschichte.
Vor der Form.
Dann beginnt das Trocknen.
Wind.
Luft.
Wärme.
Sonne.
Die Haut wird spürbarer.
Etwas zieht sich zusammen.
Grenzen entstehen.
Nicht als Vorstellung von Identität –
sondern als körperliche Erfahrung:
Ich bin hier.
Während der Lehm trocknet, beginnt er zu spannen.
Manchmal entstehen feine Risse.
Nicht als Zeichen von Zerstörung,
sondern von Lebendigkeit.
Als Erinnerung daran,
dass sich das Leben niemals vollständig einschließen lässt.
Dann kommt das Wasser.
Es berührt die erstarrte Form.
Löst sie langsam.
Ohne Gewalt.
Die Grenze wird wieder weich.
Das Feste beginnt zu fließen.
Unter dem Lehm ist wieder Haut.
Wärme.
Bewegung.
Doch nicht zurück zum Anfang.
Sondern zu etwas anderem:
Zu einer Form, die fließen kann.
Zu einer Grenze, die nicht hart werden muss.
Zu einem Leben, das sich durch jede Schicht hindurch erinnert.
