Solange Lilith Maria als Vorwurf fragt:
„Warum hast du Ja gesagt?“,
bleibt sie die moderne rebellische Heldin und Maria die Angepasste.
Das ist flach.
Aber wenn Lilith die Frage aus echter Neugier stellt, verändert sich alles.
Dann könnte sie sagen:
Erzähl mir.
Ich verstehe es nicht.
Warum hast du Ja gesagt?
Nicht, weil sie Maria korrigieren will.
Sondern weil sie es wirklich nicht weiß.
Lilith hätte dieses Ja vielleicht niemals sprechen können.
Für sie wäre der Preis zu hoch gewesen.
Der Verlust der Selbstzugehörigkeit.
Die Aufgabe der Freiheit.
Das Verlassen des eigenen Weges.
Und Maria könnte antworten:
Weil etwas in mir größer war als meine Angst.
Weil ich das Leben liebte.
Weil ich vertraute.
Weil ich mich berühren ließ.
Nicht aus Schwäche.
Nicht aus Unterwerfung.
Sondern aus Kraft.
Und dann kommt der tragische Teil der Geschichte erst danach.
Nicht im Ja selbst.
Sondern in dem, was aus dem Ja gemacht wurde.
Denn ursprünglich könnte Maria gesagt haben:
Ja.
Und dieses Ja war lebendig.
Es hätte morgen auch Nein werden können.
Es hätte sich verändern können.
Es hätte Fragen stellen können.
Es hätte Grenzen ziehen können.
Es wäre ihr Ja geblieben.
Doch später wurde daraus:
So sollen Frauen sein.
Und genau dort beginnt die Entblutung.
Nicht im Ja.
Sondern in seiner Versteinerung.
Mutternächte im Allgäu | Lilith begegnet Maria | 26.-28. Dezember 2026
