Sex war mein Beruf

ein Interview von Welt im Wandel-TV mit Ilan Stephani

„Ilan Stephani hat zwei Jahre lang in einem Berliner Puff als Hure gearbeitet und die Welt aus käuflichem Sex in ihrem eigenen Körper erforscht. Und wenn sie eines lernen durfte, dann dieses: Prostitution erzählt der Gesellschaft keine fremde Geschichte, sondern ihre eigene. Und sie ist der Spiegel, der die Wahrheit sagt!
Ihr Buch „LIEB UND TEUER“ beantwortet Fragen, die man nicht laut zu stellen wagt, weil sie uns in der Tiefe bewegen und ein Leben hinterfragen, das wir als normal bezeichnen, aber nicht wirklich glücklich macht. Dieses Gespräch zeigt die Parallelen zwischen zwei Welten, die sich lautstark voneinander abgrenzen, doch einander viel mehr brauchen, bedingen und erschaffen, als wir meinen.“ Quelle:  Welt im Wandel-TV

Ilan Stephani sagt:

Freier sind keine Sexmonster. 88% unserer Männer waren schon einmal bei einer Prostituierten. Der typische Freier ist der typische Mann.

Wir bringen schon kleinen Jungs bei, sich für ihre Sexualität zu schämen. Jungs wachsen -genauso wie Mädchen- mit dem Gefühl auf, falsch zu sein. Sie wollen sich aber richtig fühlen! Bei der Prostituierten kaufen sich Männer die wärmende Illusion, richtig zu sein. Auch die uneingestandene Angst, verurteilt oder zurückgewiesen zu werden, wenn sie über ihre Gefühle und Bedürfnisse sprechen, müssen sie hier nicht  fühlen.

In der Sexualforschung wurde der Begriff „Sexualtrieb“ abgeschafft. Es ist ein reines Konstrukt, welches nachgewiesenerweise in der Realität nicht existiert.

Die meisten Männer werden deshalb so nervös durch diese Kraft, die sich in ihnen bewegen möchte, weil sie nicht gelernt haben, mit einem hohen gefühlten Energieniveau zu leben. Jungs werden spezifisch konditioniert und beschämt in Bezug auf diese Lebenskraft und dann werden sie immer kleiner in Bezug auf das, was sie halten können oder was sich als Energieniveau sicher für sie anfühlt. Und in diesem Energieniveau findet dann hin und wieder etwas statt, was sie als Lust auf Sex interpretieren…und dann sagen sie:“ Ich muss jetzt irgendwo hin damit…ich muss jetzt f…., weil ich bin ja ein Mann. Jungs beginnen also, sich für dieses hohe Energieniveau zu schämen und dann machen sie es kleiner um nicht aufzufallen: auf diese Weise fühlt sich ein hohes Energieniveau unsicher an.

Das ist auch der Punkt, wo der erwachsene Mann später sagen wird, er hat Lust auf Sex. Das ist aber nicht Lust auf Sex, sondern er hat Lust darauf, die Lust loszuwerden. (Er hält sie also wieder klein, um sich sicher zu fühlen).

Es gibt grundsätzlich kein Recht des Mannes, dass man ihm andere Körperöffnungen zur Verfügung zu stellen hat.

Prostitution ist folgerichtig wenn Frauen sich im Patriarchat wiederfinden.

Prostitution ist keineswegs das älteste Gewerbe der Welt, sondern genauso alt wie das Patriarchat (ca. 4000 Jahre alt).

Prostitution und Ehe sind Erfindungen des Patriarchats: Beide Strukturen versuchen, die weibliche Sexualität zu kontrollieren.

Die Prostituierte ist frei aufgrund ihrer Sexualität. Sie gehört sexuell gesehen keinem Mann. Diese Art von Triumph provoziert Verurteilung.

In dem Moment, wo wir die Notwendigkeit abschaffen, zu einer Prostituierten zu gehen, schaffen wir auch die Ehe ab.

Es existiert in der Gesellschaft nicht nur ein Tauschgeschäft von Sex gegen Geld sondern auch von Sex gegen Liebe, Anerkennung, Sicherheit usw.

Die Länge des „Vertrags“ unterscheidet Ehe von Prostitution.

Das Geheimnis der Prostitution ist, dass sie kein Geheimnis ist. Wer Geld und Sex kennt, kennt Prostitution.

Prostitution zeigt auf, wie dysfunktional wir sind.

Das Patriarchat ist nicht nur frauenfeindlich sondern auch männerfeindlich.

Im Patriarchat verlieren alle. Wir haben dieses System erst verstanden, wenn wir erkennen, dass es nur Verlierer gibt.

Wir sollten aufhören, Mädchen zu lächelnden Maschinen zu erziehen. Es ist der ganz normale Wahnsinn, dass wir schon von klein auf lernen zu lächeln, anstatt zu brüllen, wenn jemand unsere Grenzen verletzt und übergriffig wird.

Frauen müssten glücklicher sein.

Frauen sollten freier und mit sexuellem Selbstbewusstsein aufwachsen, denn ihre Sexualität ist kraftvoll und toll, auch ohne dass ein Mann da ist, der sie bestätigt, spiegelt oder begehrt. Diese Frauen hätten klare Grenzen und würden sich sicher damit fühlen. Sie würden Männern sehr klar sagen können, was sie im Bett wollen und was nicht. Männer würden erleichtert feststellen: „Frauen haben aufgehört, kompliziert zu sein. Ich frage, was sie im Bett will und sie gibt mir eine klare Antwort.“

Diese Freiheit würde das Ende der Prostitution bedeuten.

Wir sind von Geburt an sexuell, orgasmisch und sehnsüchtig. Definitionen in Bezug auf Sexualität sind immer einschränkend, denn in Wirklichkeit sind wir ein immenses Spektrum der Möglichkeiten.

Ilan Stephani ist leidenschaftliche Körperforscherin und Traumaexpertin in Berlin. Auf ihrer Webseite www.kalis-kuss.de findest du Seminare Frauen-Jahrestrainings…und –  Onlinekurse zur weiblichen Sexualität, z.B. Wellen der Ekstase     

Mit freundlichem OK von Ilan! Danke! ♥


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